2007.07 : Europäisches Treffen der Priestergemeinschaft Jesus Caritas

PJC Europa Gruppe 01 kDelegierte der Priestergemeinschaft Jesus Caritas aus Europa haben sich vom 12.-20. Juli 2007 in Kärnten/Österreich zum Austausch und zur Abstimmung ihrer Arbeit getroffen.


 

 


Das Treffen stand unter dem Thema "Die Fraternität als Schule der Gemeinschaft", der Impulsvortrag von Michael Joham kann für weitere Gruppentreffen eine Anregung sein.PJC verant priester 07 01 k

Ein wichtiger Programmpunkt war auch die Wahl eines neuen Verantwortlichen für Europa. Die Wahl fiel auf Laurent Dognin aus Nanterre (Frankreich).

 

Hier ein ausführlicher Bericht über das gesamte Treffen von Michael G. Joham, einem Pfarrer aus Köttmannsdorf/Kotmara vas, Mitglied der Bruderschaft von Kärnten:

Jesus Caritas - Europa
Beim Zusammenkommen der Priester der Priestergemeinschaft geht es nie bloß um eine Theorie. Es geht um das lebendige Sich-Verbinden in der Liebe Jesu Christi (Jesus Caritas), welche das Herz und die Seele Charles de Foucaulds, der Priestergemeinschaft, ja der Kirche ist. So war auch das Zusammentreffen der Verantwortlichen aus 9 europäischen Ländern im Süden Österreichs von diesem Geist geprägt. Mitbrüderlich und herzlich war bereits das Ankommen. Fast alle Teilnehmer waren auch beim Weltverantwortlichentreffen im November 2006 in Brasilien. Menschlich und inhaltlich konnte dieses Treffen nahtlos daran anknüpfen.

Der Impuls der Seligsprechung
Mit der Seligsprechung Charles de Foucaulds ist sein Charisma, das Besondere seiner Spiritualität und Sendung für die Kirche heute wieder stärker in den Blick gekommen. Was das im Leben der Fraternitäten und im konkreten Leben der Sendung der Kirche vor Ort heißen kann, ist weltweit wieder neu zum Thema geworden und hat auch uns diese Tage bewegt.

Brasilien und unsere Regionen
Der erste Tag nach der Ankunft diente dem Rückblick und dem Heraufholen der Brasilieneindrücke. Auch kamen die Fraternitäten und die gesellschaftlichen und kirchlichen Situationen in den verschiedenen Regionen Europas in den Blick - Freuden und Hoffnungen, Sorgen und Nöte. Diese sollten eine Bestärkung und Ermutigung erfahren. Freude und Hoffnungen, Sorgen und Nöte sind so etwas wie zwei Geschwister, die gemeinsam den Weg gehen möchten, sich gegenseitig mitnehmen und mittragen.

Die Fraternität als Schule der Gemeinschaft
Der zweite Tag diente einem ersten Einstieg in das gestellte Gesamtthema, bildet doch die "Fraternität" den ersten der in der Wegweisung der Priestergemeinschaft genannten bedeutsamen Wege für diese. Die "Fraternität" ist mehr als bloß eine Kuschelecke oder eine Selbsthilfegruppe, mehr als ein Ort des Auftankens und Atemholens. Sie ist ein Platz der Einübung einer konkreten Entfaltung der Liebe Gottes in Jesus Christus, die damit eine universale Bedeutung bekommt. Sie ist ein Ort, wo wir uns einüben, einander in absichtsloser Liebe als Bruder und Schwester anzunehmen. Von Anfang an steht die Fraternität im größeren Kontext der Kirche als Ort, der dem Einzelnen und der Kirche als Ganzer Hilfe sein möchte, den Ruf Gottes zu hören und eine entsprechende Lebensantwort zu geben. Gut tat es wahrzunehmen, wie Jesus selber in so genannten "Schulen der Fraternität" gelebt und sie angestiftet hat (Familie, Kreis der Apostel…) und wie die junge Kirche in den Häusern zusammengekommen ist, den so genannten "Hauskirchen", und sich in ganz konkreten Vollzügen als Gemeinschaft/Communio von Gott dem Dreieinen her gebildet hat (Teilen der Erfahrungen und des Wortes Gottes, Brechen des Brotes und Feiern der Eucharistie, miteinander beten und singen, füreinander Sorge tragen und Solidarität leben - vgl. Apg 2,41-45). Auch in unserem eigenen Leben konnten wir entdecken, dass wir als Christen und Priester heute angestiftet, geprägt und getragen sind von solchen Lernorten und Schulen der Gemeinschaft (Familie, Pfarrgemeinde, Bibelkreis, Jugendgruppen, Familienrunden, Geistliche Bewegungen, Priesterseminar, Dekanatspriestertreffen, Priestergemeinschaft…). 

Orte gemeinschaftlichen Kircheseins - Pfarrbesuche
Für Samstagnachmittag und Sonntag galt es aufzubrechen in verschiedene Pfarren in Kärnten, Salzburg und in der Steiermark. Wie vielfältig das kirchliche Leben und Engagement ist, wurde hier deutlich. So konnte nicht nur die Situation des Gastgeberlandes besser wahrgenommen werden, auch der Blick auf die Lebens- und Glaubenssituation sowie auf das priesterliche Wirken in den verschiedenen Herkunftsländern konnte sich schärfen und verändern. Die daran anschließende Revision in kleinen Gruppen war sehr lebendig.

Die Gastdiözese - Kultur der Zweisprachigkeit
Nach diesem Wochenbeginn gab es die Möglichkeit die Gastdiözese mit ihren Besonderheiten besser kennen zu lernen. Nachdem Kärnten durch die Zweisprachigkeit (Deutsch und Slowenisch) mitgeprägt ist, wurde die Slowenische Abteilung des Seelsorgeamtes in Klagenfurt besucht. Das Besondere, das die Kirche hier zu leben sucht, ist das gemeinsame Leben und Feiern bei Wahrung und Einbeziehung der jeweils kulturellen Besonderheiten und Möglichkeiten. Hier geht es nicht nur um ein toleriertes Nebeneinander, sondern um eine Einheit in Vielfalt. Mitunter wird diese Form des gesuchten Miteinanders auch als ein möglicher Weg für das Miteinander in Wertschätzung und Respekt in anderen Bereichen, mit anderen Menschen und Kulturen erfahren. Viele Priester und gläubige Laien, die bei Wahrung der eigenen Herkunft und Identität aus diesem Geist der Offenheit leben, sprechen vermehrt auch andere Sprachen, sind kulturell aufgeschlossen und leben in vielfältigen Bezügen, welche auch über die eigenen Grenzen hinausreichen. In den Anfragen und Gesprächsbeiträgen wurde deutlich, wie sehr auch andere europäische Länder mit der Realität von mehreren Sprachen und Kulturen herausgefordert und beschenkt sind, auch wenn das nicht immer so empfunden wird.

Der Klagenfurter Dom - vom Geist der Wertschätzung und des Miteinander
Geschichtliche Bezüge für ein nicht immer gelungenes Miteinander konnten im Klagenfurter Dom, dem derzeitigen Sitz des Diözesanbischofs, gesehen werden. Diese Kirche war ursprünglich ein evangelisches Bethaus. Reformation, Gegenreformation und katholische Reform haben hier ihre Spuren hinterlassen. Die Gedenktafel für die Blutzeugen aus der Nazizeit ließen bei allem Furchtbaren auch Namen, Männer und Frauen, erkennbar werden, die der Verabsolutierung und der Vorherrschaft auf Kosten eines anderen mit dem eigenen Lebenseinsatz entgegen getreten sind. Das Bildnis von Anton Maria Slomšek, der in Kärnten und in Slowenien gewirkt hat, ist ebenso ein Zeugnis für die Wertschätzung eines Bischofs für alle seine ihm Anvertrauten, gleich welcher Sprache. Wo der Geist der Wertschätzung, der Achtung der eigenen Wurzeln sowie der gegenseitigen Achtung und des Miteinanders stirbt, kann auch der Glaube nicht atmen und leben. Um diesen Geist ist es ihm gegangen.

Der Maria Saaler Dom - Fraternität als Grundsteinlegung für Leben aus dem Glauben
Im Maria Saaler Dom, der auf den ersten Chor- und Missionsbischof Modestus zurückgeht, konnten wir nach einer eindrücklichen Führung die Messe feiern. Dieser Ort wurde Ausgangspunkt für die 2. Missionierung in Kärnten. War es am Anfang eine kleine Fraternität von Benediktinermönchen, welche den Grundstein legte für die Gründung der ersten neun Urpfarren, so sind es heute über 1000 Kirchen und über 330 größere und zum Teil auch sehr kleine Pfarren, die gleichsam ein Netz der Verbundenheit über das ganze Land ziehen. Hier ist heute ein Wallfahrtsort, der Menschen aus verschiedenen Ländern zusammenbringt, insbesondere von Slowenien, Italien, Ungarn und Österreich. Hier gibt es für Menschen, die die eigene Berufung klären möchten, die Gelegenheit mit dem Pfarrer und seinem Team vor Ort begleitet zu leben. Die persönliche Begleitung sowie das Teilen des Lebens, die Erfahrung von gelebter Gemeinschaft im Glauben sind der Boden, auf dem geistliche Berufungen am ehesten gedeihen können. Die Mittel der Bruderschaft sind auch hier in abgewandelter Form vorfindbar.

Das Gastland zum Schmecken, Hören, Anschauen
Zum Ausklang dieses erfüllten Tages gab es nach einer Kärntner Brettljause einen Konzertabend mit Volksliedern in beiden Landessprachen und mit kunstvollen, mitreißenden Musikstücken auf der Harmonika. Auch das Mitsingen durfte nicht fehlen. Eindrucksvolle Bilder von der vielfältigen Landschaft des Landes mit seinen Bergen, Hügeln und Seen sowie begleitende Worte zum besseren Verstehen der "Kärntner Seele" rundeten den Abend ab.

Die Mittel der Bruderschaft - Schatz für uns und die Kirche
Der folgende Tag war den "Mitteln der Bruderschaft" gewidmet. Was heißt das für die Fraternität und was für die Kirche, wo wir hingestellt sind und leben. Das hat sich als sehr anregend und fruchtbar erwiesen. Diese Mittel sind in ihrer Schlichtheit grundlegend und ein wahrer Schatz, um das Evangelium und so die Sendung der Kirche heute je mehr zu erfassen und zu leben. Die "Mittel der Bruderschaft" finden sich ebenso in den verschiedensten Zweigen der Geistlichen Familie von Charles de Foucauld. So hat die Begegnung mit der Geistlichen Familie diesen Tag gekrönt. In Kärnten gibt es seit sieben Jahren jeweils ein Treffen der Geistlichen Familie Anfang September in St. Margareten im Rosental, wo der derzeitige Österreichverantwortliche der Priestergemeinschaft, Janko Krištof, lebt. Hier treffen sich Mitglieder der Priestergemeinschaft, Kleine Schwestern sowie Männer, Frauen und Familien, die der Spiritualität von Bruder Karl sehr verbunden sind. Seit Jänner 2007 gibt es auch eine Laiengemeinschaft, die aus diesen Treffen hervor gewachsen ist.

Die Mittel der Bruderschaft - lebendiger Bestandteil des Treffens
Die Mittel der Bruderschaft haben auch unsere mitbrüderlichen Tage geprägt: Regelmäßiges sich Zeit nehmen, Entspannung, um ganz da sein zu können, gemeinsames Speisen, Erfahrungsaustausch, Lebensbetrachtung, gemeinsames Lesen der Heiligen Schrift, Feiern der Eucharistie sowie langes, schweigendes Gebet und Anbetung.

Der Wüstentag
Mehr im Bereich des Einzelnen angesiedelt ist der regelmäßige - die Wegweisung spricht vom monatlichen - Wüstentag. In manchen Fraternitäten halten sie diesen Tag auch gemeinsam oder merken sich den Tag der jeweiligen anderen Brüder vor, um ihnen da im Gebet nahe zu sein. Insgesamt ist dieser Tag von existenzieller Bedeutung. Es geht nicht um uns, unser Machen und unsere Sorgen. Es geht um Gott und seine Gegenwart, sein Wirken, sein Feuer in unserem Leben. Wenn wir ihn von ganzem Herzen suchen und lieben, wird uns alles andere gleichsam wie von selber dazu geschenkt - Gott weiß, wessen wir bedürfen. In der Wüste kann sich klären, worauf es ankommt. Wie Moses kann Gott selber uns läutern und neu in Dienst nehmen. Gurk, Wirkungsort der Hl. Hemma und Ursprungsort der Diözese Gurk/Klagenfurt, ist ein geistlicher Quellort für dieses Land. Er hat uns dafür seine Türen aufgemacht. Der gemeinsame Beginn und der Abschluss in der Krypta des Domes haben den Rahmen abgegeben, in dem jeder seinen persönlichen Raum finden konnte. Das gemeinsame Abendesse, die Fahrt zurück zum "Hauptquartier" in St. Peter im Rosental mit einem Kärntner Mitbruder als Buschaffeur wie der ruhige Ausklang dieses Tages waren wohltuend. 

Was kann und soll von diesem Treffen aus weitergehen?
Der Tag vor dem Aufbruch nach Hause stand unter dem Zeichen der Reflexion und Konkretisierung sowie von Berichten von der Weltebene und der Neuwahl des nächsten Europaverantwortlichen. Ein paar Punkte konkret: > In den Rückmeldungen zeigte sich, dass es wichtig ist, die Spiritualität Charles de Foucaulds und die Mittel der Bruderschaft bekannter zu machen - zunächst einmal für uns selber und dann auch darüber hinaus für unsere Gemeinden, Gemeinschaften, für unsere Mitbrüder im priesterlichen Dienst. Es lohnt sich.
> Die Bemühung um Verbindlichkeit und Verbindung ist nötig, damit eine wahrhafte Verbundenheit wachsen kann, die nicht bloß vom Grundsatz des unmittelbaren Nutzens her lebt. Das gilt für die Fraternität, für die Fraternitäten untereinander, für die verschiedenen Gruppen der Geistlichen Familie wie für die verschiedensten Lebensfelder und -bezüge, in denen wir leben. Wie sehr leben wir "mitbrüderlich", verbindlich und verbindend? Wie sehr wecken wir unser Interesse füreinander?
> Die Anbetung und der Wüstentag sind nötiger denn je, auf dass die kontemplative Lebenshaltung und -führung, die Verbundenheit in Christus mit dem Nächsten nicht bloß ein Wort bleibt.
> Die Regional- und Nationaltreffen sowie die gemeinsamen Exerzitienzeiten tun gut daran, Anleihe zu nehmen am Tag der Bruderschaft wie an den übrigen Mitteln der Bruderschaft. Bereits gemachte Erfahrungen sind sehr positiv.
> Verbindungen hin zu Priestern und Gemeinschaften im Osten Europas wollen wir nicht aus dem Blick verlieren - sie haben beim Treffen gefehlt. Bestehende Kontakte wieder aufnehmen und neue knüpfen.
> Insbesondere das Nazarethmonat für Mitglieder und Interessierte am Leben der Priestergemeinschaft ist bewusst wieder anzubieten. Einige Termine sind bereits fix in Planung (Deutschland, Marokko). Bei aller Beengtheit, die der pastorale Alltag uns oftmals aufzuerlegen scheint, ist es umso wichtiger, die Fundamente in diese Richtung zu stärken und es uns gegenseitig möglich zu machen, uns darin zu vertiefen. Der Segen der frei gegebenen Zeit kommt reichlich zurück.
> Es gibt auch kleinere Initiativen wie z. B. in Belgien das Wandern von Uniopriestern, Kleinen Schwestern und Laienmitgliedern mit Impulsen aus der Spiritualität Bruder Karls im Rucksack gemeinsam mit interessierten, insbesondere jüngeren Menschen. Das Gleichnis vom Sauerteig scheint ein gutes Bild zu sein. Wo Menschen mit ihm in Berührung kommen, wirkt das in ihnen und durch sie weiter. Die gemeinsamen Tage wirken auch in mir und wohl in uns allen weiter.

Ein Dank an dieser Stelle dem bisherigen Europaverantwortlichen Eddy Laggae sowie der Fraternität von Kärnten mit dem Österreichverantwortlichen Janko Krištof für die gute Vorbereitung und Durchführung.
Ein Danke den Slowenischen Schulschwestern, die sogar ihre Jahresexerzitien verlegt haben, um uns einen ganz tollen Rahmen für das Treffen zu bereiten. Ihre Gastfreundschaft, ihr Mittragen und Beten sind uns eine Kostbarkeit.
Ein Danke und viel Gottes Segen auch Laurent Dognin aus Frankreich, der die Aufgabe des neuen Europaverantwortlichen angenommen hat.
Ein Danke den Brüdern. Der tiefe Wunsch nach dem Fruchtbarwerden der Spiritualität von Bruder Karl hat viel an Nahrung bekommen. Die weltweit anberaumte Relektüre der Wegweisung der Priestergemeinschaft für das nächste Jahr zahlt sich wohl auch darüber hinaus aus. Es ist noch vieles zu bergen, was jetzt schon Geschmack macht.