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Grundelemente der Spiritualität

Schlüsselbegriffe aus der Spiritualität im Leben der Gemeinschaften Charles de Foucauld's
Zitate von Charles de Foucauld    
Das Gebet der Hingabe von Charles de Foucauld (Entstehungsgeschichte)
Der Heilig-Geist-Hymnus (Entstehungsgeschichte und Deutung)
Liturgische Texte, die vorgeschlagen sind, zukünftig am Gedenktag von Charles de Foucauld, dem 1. Dezember, gelesen zu werden (die kirchliche Approbation fehlt noch)


Gedanken zum Thema...


...Begegnung mit dem Islam
...Neue Geistliche Gemeinschaften

In den letzten Monaten sind in den Veröffentlichungen der einzelnen Gemeinschaften immer wieder nachdenkliche und anfragende Artikel zu "brennenden Themen" erschienen. Wir möchten sie hier zusammenführen und alle Leser zur Diskussion einladen. Nutzen Sie unser Gästebuch und steigen Sie in einen Meinungsaustausch mit den Verfassern und anderen Lesern ein.



Impulsreferate zu Themen aus der Spiritualität der Gemeinschaften Charles de Foucauld

Eucharistie und Anbetung im Leben von Charles de Foucauld
Impuls von Kleiner Schwester Waltraud Irene von Jesus, gehalten beim Treffen der Geistlichen Familie Charles de Foucauld in Klagenfurt vom 31.8. - 1.9.2007
Bruder Karl und das Herz Jesu
Gedanken von Jürgen Rintelen zum Symbol "Herz mit Kreuz" und zur Herz-Jesu-Verehrung Charles de Foucaulds anläßlich des 90. Todestages am 1. Dezember 2006
Beten mit Charles de Foucauld
Impuls zur Jahresversammlung der Gemeinschaft Charles de Foucauld in Grefrath im September 2005
Charles de Foucauld - ein Prophet des Friedens
Am Frieden bauen ; Impuls zum Einkehrtag der Gemeinschaft Charles de Foucauld in Siegburg im März 2004
Entwicklung Charles de Foucaulds und seiner Spiritualität (Text von Maurice Bouvier u.a. anlässlich der Seligsprechung)





Schlüsselbegriffe aus der Spiritualität im Leben der Gemeinschaften Charles des Foucauld's


Nazaret

Nazaret ist der gewöhnliche christliche Alltag.

30 Jahre lang lebte Jesus in der Verborgenheit und Unscheinbarkeit Nazarets, verbunden mit Gott, seinem Vater.

30 Jahre lang lebte er in dieser unerlösten Umgebung:
in einer Welt, in der alles, was uns ängstigt, belastet und frustriert, auch schon vorhanden war
in einer Welt, in der es Unrecht gab, Verfolgung, Gewaltsamkeit und Verachtung, Not, Elend, und Hass.

Nazareth ist keine Idylle, keine heile Welt.
Nazareth bedeutet für Charles de Foucauld, „den letzten Platz“ als Lebensort und Lebenswirklichkeit zu wählen, den Platz, bei dem es nicht um Kampf um Positionen und Anerkennung geht.

Die Sehnsucht Charles de Foucaulds, das verborgene Leben Jesu in Nazaret zu teilen, stellt uns die Frage nach unseren Lebenszielen. Sie ermutigt uns, den Wert des Alltäglichen zu entdecken und mit unseren Fähigkeiten und Begrenzungen – auch denen der anderen – verantwortlich umzugehen.

Kontemplativ mitten in der Welt

Die Kleinen Schwestern und Brüder wollen „kontemplativ mitten in der Welt“ leben. Das Besondere ihres Ordenscharismas ist der Versuch, kontemplatives und aktives Ordensleben miteinander zu verbinden. So formuliert z.B. Kleine Schwester Magdeleine für ihre Schwestern: „Als ‚betende Menschen mitten in der Welt’ wagen wir zu sagen, dass das kontemplative Leben in den übervölkerten Städten, im Lärm der Straßen sich ebenso gut entfalten kann wie in der Zurückgezogenheit eines Klosters.“

Ähnliche Aussagen finden wir in den Wegweisungen der anderen Gemeinschaften.
So heißt es in der ‚Wegweisung’ der Priestergemeinschaft: „Damit Bruderschaft möglich wird, muss das Leben der Brüder in einer kontemplativen Haltung verwurzelt sein."


Eucharistie, Evangelium und Anbetung

Im Zusammenhang mit seiner Bekehrung ist uns von Charles de Foucauld das Zitat überliefert: „Sobald ich glaubte, dass es einen Gott gibt, konnte ich nur noch für ihn leben.“

Nach seiner Bekehrung vertiefte er sich immer mehr in das Evangelium, um Jesus besser kennen zu lernen, ihn nachahmen zu können und fähig zu werden, in allem das tun, sagen und denken zu können, was Jesus getan, gedacht und gesagt hätte.

Das Schriftgespräch ist auch Bestandteil vieler Treffen in den Gemeinschaften. Ziel ist es, nach und nach zu entdecken, was es heißt, das Evangelium zu leben.
In der Eucharistie leuchtete Charles de Foucauld etwas von dem Geheimnis Gottes auf, er holte sich dort seine Kraft für das alltägliche Leben

In diesem Zusammenhang wird die Anbetung zum Grundakt seines Lebens. Anbetung ist für ihn – genauso wie für die Mitglieder der Gemeinschaften - nicht im Sinne einer weltabgewandten Frömmigkeit zu sehen.

Das ganze Leben soll Anbetung sein, soll etwas von der Liebesbeziehung zu Gott, zu Jesus widerspiegeln. In die Anbetung, in das absichtslose Dasein vor Gott, fließt das ganze Leben, die Menschen um uns herum, die Schwächen, die Dankbarkeit und alles, was unseren Alltag ausmacht, mit ein.

Andererseits geht aus der Anbetung unser Handeln hervor, so dass sie zu einem ständigen Kreislauf von Leben, Gebet, Fürbitte und Liebe wird. Es geht nicht um seelisch-geistiges Auftanken, sondern um die Antwort auf Gottes Liebe, weil „er allein es verdient, leidenschaftlich geliebt zu werden.“

Lebensbetrachtung (Révision de vie)

Die Révision de vie ist Ausdruck des Gehorsams gegenüber dem Willen Gottes und der geschwisterlichen Wegbegleitung. In allen Gemeinschaften Charles de Foucaulds hat sie einen wichtigen Platz.

Da es nicht leicht ist, ohne Korrektur den Willen Gottes für unser Leben zu erkennen, also nicht den eigenen fixen Ideen nachzulaufen, übernimmt die Gemeinschaft diesen geschwisterlichen Dienst, der vor allem für die allein lebenden Brüder und Schwestern notwendig ist.

Es geht darum, im Rückblick auf einen bestimmten Lebensabschnitt, die großen Linien im ganz konkreten Alltag, den Begegnungen, den Problemen, im geistlichen Leben zu erkennen und die Wegweisungen, die sie für Gegenwart und Zukunft aufweisen. Es geht auch darum, offen zu sein für Neues, für ungewohnte Schritte im Vertrauen auf Gott.

Wüste

Anfangs war die Wüste für Charles de Foucauld vor allem ein Ort der Kontemplation. Im Laufe seines Lebens jedoch erhält sie noch eine zweite Perspektive: Wüste ist auch ein Ort, wo Menschen in Not sind und wo man herausgefordert ist, sich für diese einzusetzen, um ihnen Gutes zu erweisen.

Der ‚Wüstentag’ ist in den Gemeinschaften Charles de Foucaulds ein Tag des Schweigens, ein Tag der Prüfung und des Gebetes. Es geht darum, im Getriebe des Alltags einmal innezuhalten und alles loszulassen, was unser Leben ‚besetzt’. Er ist eine Zeit, um nach Gott Ausschau zu halten und den Blick auf unsere Mitmenschen zu richten, ihre Not zu sehen und in der Fürbitte für sie einzutreten.


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Das Gebet der Hingabe von Charles de Foucauld



Mein VATER,
ich überlasse mich Dir,
mach mit mir, was Dir gefällt.

Was du auch mit mir tun magst, ich danke Dir.
Zu allem bin ich bereit, alles nehme ich an.
Wenn nur Dein Wille sich an mir erfüllt
und an allen Deinen Geschöpfen,
so ersehne ich weiter nichts, mein Gott.
In Deine Hände lege ich meine Seele;
Ich gebe sie Dir, mein Gott,
mit der ganzen Liebe meines Herzens,

weil ich Dich liebe,
und weil diese Liebe mich treibt,
mich Dir hinzugeben,
mich in Deine Hände zu legen,
ohne Maß,
mit einem grenzenlosen Vertrauen;
denn Du bist mein VATER.


Dieses Gebet ist nicht ein Gebet, das Charles de Foucauld für eventuelle Gefährten geschrieben oder gar selbst in diesem Wortlaut gebetet hat. Es ist vielmehr ein Auszug aus „Meditationen über das Evangelium im Blick auf die Kardinaltugenden“. Sie wurden von Charles de Foucauld 1896 geschrieben gegen Ende seines Aufenthalts bei den Trappisten in Akbes. Damals war er noch Bruder Marie-Albéric.

Es ist also ein Gebet, das er Jesus in den Mund legt und das ganz wahrhaftig auch nur von Jesus gesprochen werden kann. Für jeden von uns wäre es eine Überforderung.

Wenn wir es innerhalb der geistlichen Familie verwenden, dann
- in dem Bewusstsein, dass wir es niemals alleine sprechen können, sondern Jesus es mit uns zusammen spricht und
- um mit Jesu Hilfe immer mehr in den Geist der Hingabe hinein zu wachsen, um uns mit ihm einzuschwingen in seine vertrauensvolle Hingabe an den Vater.

Dieses Gebet lädt ein, sich mit Jesus zu verbinden. Es will unser Leben vor Gott und den Menschen in die Richtung lenken, in der Jesu Leben sich bewegte, und zur vertrauenden Hingabe an den Vater ermutigen.

Zur Geschichte des „Gebets der Hingabe“
Die Aussagen zur Geschichte sind einem Aufsatz von Antoine Chatelard, einem Kleinen Bruder Jesu, entnommen, der sich sehr intensiv, vielleicht wie kein zweiter in der geistlichen Familie, mit diesem Gebet auseinandergesetzt hat.

Im Zusammenhang mit dem Bericht vom Tod eines der ersten Kleinen Brüder von El Abiodh (Marc Gérin) wurde das Gebet 1946 im Bulletin der Assoziation Charles de Foucauld erstmals abgedruckt – in der Form, wie wir es heute kennen, wurde allerdings Gott mit Sie angeredet.

In diesem Bericht wurde aus dem Brief eines Studienkollegen von Marc Gérin zitiert. Diesem Freund hatte Marc Gérin das Gebet aufgeschrieben. Er selbst hatte es vermutlich von Kl. Schwester Magdeleine von Jesus erhalten, die ihn 1945 im Krankenhaus besucht hatte.

Die Kleinen Schwestern waren zu diesem Zeitpunkt erst etwa ein Dutzend, beteten das Gebet aber seit 4 Jahren täglich; sie hatten unmittelbar von dem ersten Noviziat 1940 damit begonnen.

Etwa um 1955 wurde es zur Gewohnheit, das Gebet am Abend nach einer kurzen Revision des Tages zu sprechen.

Mein persönlicher Umgang mit dem Gebet Bruder Karls
Um in den Geist des Gebets der Hingabe immer mehr hineinwachsen zu können, ist es hilfreich, die einzelnen Gedanken dieses Gebetes immer wieder einmal auch mit meinen eigenen Worten zu umschreiben und so die Arbeit Bruder Karls fortzuführen: Ich fülle die von ihm formulierten Aussagen mit dem Inhalt meines Lebens!

Was will ich dem HERRN eigentlich sagen, wenn ich bete: „Ich überlasse mich dir...“, „In deine Hände lege ich meine Seele....“ ...?


Autorin: Marianne Bonzelet, 48 Jahre, Studienrätin für Katholische Religion und Mathematik, seit 18 Jahren Mitglied der Gemeinschaft Charles de Foucauld


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Der Heilig-Geist-Hymnus in der Übersetzung von Georg Thurmayr

Komm, Schöpfer Geist, komm, brich herein,
dring tief in unser Wesen ein.
Erfüll mit Gnaden, was Du schufst,
brich auf die Herzen, die Du rufst.

Du unser Beistand in der Zeit,
des Allerhöchsten Gütigkeit,
des Lebens Ursprung, Liebesglut,
des Geistes Salbung, Glaubensmut.

Du siebenfacher Gnadenbrand -
Dem Finger gleich an Gottes Hand -
Verheißner Gast in unsrer Nacht,
der stumme Zungen reden macht.

Glüh auf, der Sinne Licht zu sein,
gieß Liebe in die Herzen ein,
bring unsern Leib in Dienstbarkeit,
dass deine Kraft uns Sieg verleiht.

Treib den Versucher von uns weit,
schenk Frieden uns und aller Zeit;
geh du voran, sei Weg und Stern;
halt Unheil und Gefahren fern!

Mach uns den Vater offenbar,
laß uns den Sohn erkennen wahr;
schließ auf, was wir in dir erkannt,
den beider Liebe uns gesandt!

Lob sei dem Vater auf dem Thron,
Lob seinem auferstandnen Sohn,
Lob dir, dem Geist, der Trost verleiht,
jetzt und in alle Ewigkeit. Amen.

-Sende aus deinen Geist, und es wird eine neue Schöpfung,
- Und du wirst das Angesicht der Erde erneuern!


Gedanken zur Besinnung zum Geist-Hymnus in der Übersetzung von Georg Thurmayr



Komm, Schöpfer Geist, komm, brich herein,
dring tief in unser Wesen ein.
Erfüll mit Gnaden, was Du schufst,
brich auf die Herzen, die Du rufst.


Komm brich herein dring ein - sogar: dring tief ein erfülle - mit Gnaden und noch einmal: brich auf - die Herzen, die du rufst
Starke Verben bestimmen den Auftakt des Geisthymnus Der Heilige Geist wird aufgefordert zu kommen - hereinzubrechen - einzudringen - zu erfüllen - aufzubrechen
Es sind Verben, die auch etwas Gewaltsames bedeuten können: einbrechen - aufbrechen - eindringen
Im allgemeinen wehren wir uns gegen Eindringlinge, Einbrecher, Aufbrecher und schützen uns vor ihnen, bauen Mauern.... Die beiden Übersetzungen aus dem Gotteslob sind in dieser Strophe viel weniger radikal. Vielleicht brauchen wir gerade heute solch starke Verben, um unserer oft verschütteten Sehnsucht danach Ausdruck zu verleihen, der Geist möge aus unserem kraftlos gewordenen Alltag neues Leben hervorlocken.
Viele Menschen sehnen sich nach mehr Leben, mehr Lebendigkeit - auch in unserer Kirche. Sie sehnen sich danach, die Geistesgaben in sich selbst zu entdecken, und nach Räumen, in denen diese sich entfalten können. Die Wahl der starken Verben provoziert geradezu die Frage, wer das ist, der da gerufen wird, einzudringen, ein- und aufzubrechen. Es ist Heiliger Geist, schöpferischer Geist, der schon am Anfang der Schöpfung die Struktur, die dem Chaos innewohnt, sichtbar macht.
Dieser Heilige Geist ist nur schwer zu beschreiben, er hat viele Namen. Gleich zwei Strophen sind voll davon.

Du unser Beistand in der Zeit,
des Allerhöchsten Gütigkeit,
des Lebens Ursprung, Liebesglut,
des Geistes Salbung, Glaubensmut.

Du siebenfacher Gnadenbrand -
Dem Finger gleich an Gottes Hand -
Verheißner Gast in unsrer Nacht,
der stumme Zungen reden macht.


Beistand Güte Ursprung des Lebens: Ursprung und Quelle, die nie versiegt.
Viele fühlen sich heute ausgebrannt, vertrocknet, erstarrt, weil sie ständig gefordert sind und pausenlos geben müssen. Die Anrede "Ursprung des Lebens" kann uns ins Bewusstsein rufen, dass die Quelle des Hl. Geistes dennoch ständig in uns sprudelt und uns erfrischen und stärken will.
Glut der Liebe
Salbung - die Wunden heilt und uns zu der Aufgabe beruft, die jedem von uns zukommt
Glaubensmut - Mut zum Glauben - Mut, der aus dem Glauben erwächst
Gnadenbrand
Finger an Gottes Hand
Verheißung in unserer Nacht, unserem Dunkel
Er gibt unserer Stummheit Sprache.
Alle Anreden können diesen Heiligen Geist, der da in uns eindringen und uns aufbrechen soll, nicht fassen. Und so scheint es, dass Rabanus Maurus einen zweiten Anlauf wagt, der stärker auf das Wirken dieses Geistes ausgerichtet ist:

Glüh auf, der Sinne Licht zu sein,
gieß Liebe in die Herzen ein,
bring unsern Leib in Dienstbarkeit,
dass deine Kraft uns Sieg verleiht.


Er soll in uns aufglühen wie Licht, unsere Sinne hell machen, aufmerksam und wach - empfänglich, damit wir mit allen Sinnen diese Welt wahrnehmen. Wer mit wachen Sinnen seinen Alltag erlebt, der kann ganz da sein. Denn unsere Sinne bringen uns in Beziehung zur Wirklichkeit. Oft spüren wir nicht mehr, was um uns herum vorgeht, weil wir mit unseren Gedanken an Vergangenem haften oder schon in der Zukunft angekommen sind - und die Gegenwart vernachlässigen. Die Sinne sind unser Organ der Gotteserfahrung. Wir erfahren Gott nicht mit unserem Verstand. Die Sinne helfen uns, aus den vielen Stimmen die Stimme Gottes herauszuhören.
Er soll Liebe in die Herzen gießen, die Liebe Gottes, des Vaters, und so zur Energie für Herz und Sinne werden, die Energie unseres Wesens, unseres Seins werden, die uns fähig macht zur Liebe. Im Heiligen Geist fließt die göttliche Liebe durch unser Herz und unseren Leib. Ihn soll sie in Dienstbarkeit bringen - unseren Leib, den Ausdruck und Träger unserer Gedanken und Worte Erfahrungen und Taten. Die Liebe Gottes soll das zerbrechliche Gefäß unseres Leibes mit neuer Kraft durchdringen. Sie will in uns Mensch werden!

Treib den Versucher von uns weit,
schenk Frieden uns und aller Zeit;
geh du voran, sei Weg und Stern;
halt Unheil und Gefahren fern!


Den Versucher soll er weit weg treiben
Er soll Frieden schenken - uns - unserer Zeit - allen Zeiten
Er soll vorangehen, damit wir uns an ihm orientieren, uns von ihm leiten lassen, so dass Unheil und Gefahren uns zutiefst nicht gefährden.

Mach uns den Vater offenbar,
laß uns den Sohn erkennen wahr;
schließ auf, was wir in dir erkannt,
den beider Liebe uns gesandt!


Er soll uns den Vater zeigen, uns helfen, den Menschensohn zu erkennen, in dem der Vater sich ausdrückt.
Er soll sich uns schließlich selbst erschließen, uns sein Wirken erfahren lassen, sein Wirken, das in der Liebe des Vaters und in Jesus seinen Ursprung hat.

Lob sei dem Vater auf dem Thron,
Lob seinem auferstandnen Sohn,
Lob dir, dem Geist, der Trost verleiht,
jetzt und in alle Ewigkeit.
Amen.


An den Lobpreis für den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist schließt sich nun in der von Charles de Foucauld empfohlenen - und offensichtlich in der kirchlichen Tradition schon bekannten Praxis - noch an:

-Sende aus deinen Geist, und es wird eine neue Schöpfung,
- Und du wirst das Angesicht der Erde erneuern!


Es handelt sich dabei um einen Vers am Ende von Psalm 104 (V.30). Dieser Psalm ist ein Schöpfungspsalm, und so schließt sich der Kreis zur 1. Zeile: "Komm, Schöpfer Geist....!" Gott hat durch sein Wort, seinen Atem, die Welt ins Dasein gerufen. Im Atem, den wir jeden Augenblick in uns einziehen, können wir erahnen, dass und wie er uns ständig neu belebt und uns mit seiner Gegenwart erfüllt - durch den Hauch seines Geistes.


Anregungen für eine persönliche Besinnungszeit oder für ein Gespräch in der Gruppe:
1. Wie geht es mir mit der Vorstellung, dass der Geist Gottes in mich eindringen und mein Herz aufbrechen soll?
2. Ich lasse die Anreden und Bitten zum Heiligen Geist in diesem Hymnus auf mich wirken und verweile eine Zeit lang da, wo ich mich besonders angesprochen oder angerührt fühle.
3. Das Geschenk des Auferstandenen ist der Heilige Geist. Es ist der Geist, der Leben schafft. Ich bin beschenkt mit Gottes Leben schaffendem Geist, dem ich in meinem Leben Raum geben soll und der durch mich weiter wirken soll.
- Spüre ich das Wirken Gottes in meinem Leben?
- Kann ich das Wirken des Geistes in mir zulassen?
- Ich versuche, die Spuren zu entdecken, die der Geist Gottes in meinem Leben bereits hinterlassen hat, und formuliere meinen Dank und meine Bitte an den Heiligen Geist.
Marianne Bonzelet


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Zitate von Charles de Foucauld


...Ich (Jesus) lehre euch zunächst, dass man den Menschen Gutes tun kann, viel Gutes, unendlich Gutes, göttlich Gutes, ohne Worte, ohne Predigt, ohne Aufsehen, im Schweigen und indem man ein gutes Beispiel gibt ... Was für ein Beispiel? ... Das Beispiel der Frömmigkeit, der liebevollen Erfüllung der Pflichten gegenüber Gott, der Güte gegen alle Menschen, der Zärtlichkeit zu jenen, die uns umgeben, der heiligmäßigen Erfüllung häuslicher Pflichten...
Aus einer Meditation von Charles de Foucauld zu Lk 2, 39 (".... sie kehrten nach Galiläa in ihre Stadt Nazaret zurück.") während Exerzitien in Ephrem 1898

Aus einem Brief an Louis Massignon vom 22. Juli 1914
Was Ihre Gebetsverpflichtungen betrifft, so ist das, was Sie tun, völlig ausreichend. Ich verstehe sehr gut, dass Sie an manchen Tagen nicht die Zeit für fünf Rosenkranzgesetze finden. Das soll Sie nicht beunruhigen. Ersetzen Sie die Augenblicke, die Sie dem Geliebten nicht im Gebet widmen konnten, weil Er Ihnen andere Pflichten auferlegte, durch einen Akt liebender Hinwendung zu Ihm ... Versuchen Sie jedoch, Zeit zu finden für die Betrachtung der Heiligen Schrift. ... Wir müssen durch immer erneutes Lesen und Meditieren Seines Wortes und Seines Beispiels versuchen, uns vom Geist JESU durchdringen zu lassen. Sein Wort soll in unserer Seele wirken, wie der stete Tropfen, der den Stein immer an der gleichen Stelle höhlt.
(Aus: Jean Francois Six: Abenteurer der Liebe Gottes: 80 unveröffentlichte Briefe von Charles de Foucauld an Louis Massignon. - Würzburg : echter, 1998. - S. 143 )

Aus einem Brief an Louis Massignon vom 15. August 1916
Öffnen Sie sich dem Nächsten, darin liegt die beste Weise, auf Gott hin voranzuschreiten. Was man einem dieser Geringsten tut, das tut man Ihm ...
Wenn Sie aufgrund innerer oder äußerer Hindernisse Mühe haben, sich für längere Zeit innerlich zu sammeln, dann sammeln Sie sich häufiger für kurze Zeit. Anstatt morgens einmal ein 5-Francstück zu geben, geben Sie 10-Sousstücke, eines zu jeder Stunde am Tag. ...
(Aus: Jean Francois Six: Abenteurer der Liebe Gottes: 80 unveröffentlichte Briefe von Charles de Foucauld an Louis Massignon. - Würzburg : echter, 1998. - S. 183/184 )

Aus einem Brief an Abbé Huvelin, 1. Januar 1908
...wo man im Gegenteil doch so viel Gutes tun sollte und könnte, verschlimmert man den so beklagenswerten moralischen und intelektuellen Zustand dieser Völker und sieht in ihnen nur ein Mittel für materiellen Gewinn. Was die Eingeborenen an uns Christen, die eine Religion der Liebe bekennen, was sie an den ungläubigen Franzosen, welche die Brüderlichkeit von den Dächern schreien, in Wirklichkeit sehen, ist Nachlässigkeit, Ehrgeiz oder Habsucht und leider fast bei allen Gleichgültigkeit, Abneigung und Härte.
(Aus: Charles de Foucuald ; Abbé Huvelin: Briefwechsel / hrsg. von Jean Francois Six. - Salzburg : Otto Müller, 1961. - S. 255-256)

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Am Frieden bauen ; Impuls zum Einkehrtag der Gemeinschaft Charles de Foucauld in Siegburg im März 2004


In der Gemeinschaft Charles de Foucauld gibt es immer für je zwei Jahre ein Thema, das die einzelnen Gruppen in ganz Europa zum Gespräch anregen soll. Für die Jahre 2003/2004 lautet das Thema "Charles de Foucauld - ein Prophet des Friedens". Anlässlich eines Einkehrtages der Gemeinschaft in Deutschland hielt Marianne Bonzelet (zurzeit europäisches Mitglied im Weltrat der Gemeinschaft) folgenden Impuls:

Am Frieden bauen

Das für 2003/04 vorgeschlagene Unterthema "Friedensstifter werden" habe ich für den heutigen Tag umformuliert in "Am Frieden bauen". Es ist ein sehr weites Thema. Um es einigermaßen handhabbar zu machen, scheint mir die Methode SEHEN - URTEILEN - HANDELN gut geeignet zu sein. (Kardinal Cardijn, Christliche Arbeiter Bewegung) In einem ersten Schritt geht es also darum, den Blick auf die Realität zu werfen, die uns umgibt. Was nehme ich an Gewalt, Unfriede, Friedlosigkeit, Ungerechtigkeit in meinem eigenen Umfeld wahr? (Zeit zum Nachdenken - Gedanken auf Zetteln festhalten - Zettel auf ein Holzkreuz heften - keine Bewertung! Einfach nur wahrnehmen!) Frieden stiftende Aspekte / Elemente im Leben und der Spiritualität von Charles de Foucauld Wir leben hier in Deutschland in sehr sicheren Verhältnissen. Um so wichtiger ist es für uns, genau hinzuschauen, aufmerksam dafür zu werden, wo der alltägliche "Kleinkrieg" um uns herum tobt und wie wir selbst in die weltweiten friedlosen Zusammenhänge verstrickt sind: Kleidung, die in Billiglohn-Ländern hergestellt wurde; Coltan im Handy ist Anlass zum Krieg im Kongo; Geldanlage bei Ethik-Banken.... Im Gespräch in den Kleingruppen wird es im Laufe des Tages darum gehen diese Wahrnehmung in das Licht des Evangeliums zu stellen und miteinander zu schauen, ob wir angesichts der Lage nur resignieren können oder welche Möglichkeiten wir für uns sehen, am Frieden zu bauen. Vielleicht tun wir es ja auch schon, ohne es ausdrücklich so zu benennen. Als Mitglieder der Gemeinschaft Charles de Foucauld sollten wir darüber hinaus schauen, in welcher Weise uns Charles de Foucauld ein Vorbild sein kann. Dazu können wir zum einen sein Leben, seine Erfahrungen, in den Blick nehmen; zum anderen lohnt ein Blick in den "Weg der Einheit", der so etwas wie die Grundsatzerklärung der Gemeinschaft weltweit darstellt. Typisch für die Spiritualität Charles de Foucaulds scheint mir die Verbindung der Leidenschaft für Gott mit der Leidenschaft für die Menschen und die daraus resultierende dynamische Wechselbeziehung zwischen Kontemplation und Aktion. Beides gehört immer notwendig zusammen. Keiner der beiden Aspekte darf vom anderen verzweckt oder auf den anderen reduziert werden. Die Leidenschaft für die Menschen erfährt im Stichwort "Nazaret" eine entscheidende Konkretisierung. Nazaret steht dafür, dass Gott sich so sehr mit der Welt verbunden hat, dass er nichts Besseres zu tun hatte, als den größten Teil seines Lebens in einem ganz unbedeutenden, verrufenen Nest der Weltgeschichte zuzubringen. Es steht andererseits auch für die Gegenwart Gottes im Niedrigen und Alltäglichen der Welt. Foucauld erkannte aber im Laufe seines Aufenthalts in Nazaret, dass das Leben von Nazaret nicht an diesen konkreten Ort gebunden ist, sondern an jedem Ort der Welt geführt werden kann. "Das Leben von Nazareth führen, aber nicht im so sehr geliebten Heiligen Land, sondern unter den Menschen, die die kränksten und hilflosesten sind." "Nazaret" wird zu einer Lebenshaltung, einer Art Lebensmodell. (Die Nazaretzeit 1998 in Biber stand unter dem Thema: "Nazaret - ein Lebensmodell für Normalverbraucher") Nazaret als Lebenshaltung mündet für Bruder Karl in dem Wunsch, der Bruder aller Menschen zu werden. Aber was heißt es: Wie Jesus in Nazaret zu leben? Es kann heißen: sich bemühen, ein solidarisches Miteinander zu verwirklichen in Familie, im Beruf, in der Nachbarschaft... Nazaret wird zum Ort des geschwisterlichen Zusammenlebens. Charles de Foucauld war zeitlebens bemüht, Brüder zu finden, mit denen er das verwirklichen konnte. Für Bruder Karl wird "Nazaret" zu einer Art Synonym für das Leben geschwisterlicher Beziehungen getragen von einem Geist des Dienens und der Einfachheit. "Nazaret leben" bedeutet u.a. - die eigenen Grenzen wie die der anderen akzeptieren, - den Menschen ohne Vorurteile begegnen, - jedem die ihm bzw. ihr zustehende Würde auch zukommen lassen - im anderen (wie auch in sich selbst) das Positive sehen - ein einfaches Leben Für Charles de Foucauld ist eine in diesem Zusammenhang wichtige Tugend die Gastfreundschaft, das offene Haus. Nazaret ist nicht der Ort großer Aktionen und Programme, sondern der Ort, wo Menschen geschwisterliche Beziehungen verwirklichen. "Ich bin derart mit äußeren Geschäften überhäuft, dass ich keinen Augenblick Zeit mehr zum Lesen habe, auch nicht viel zum Meditieren. Die armen Soldaten kommen ständig zu mir. Die Sklaven füllen das kleine Häuschen, das man für sie hat errichten können, die Reisenden kommen geradewegs zur "Bruderschaft", die Armen sind reichlich vorhanden ... Alle Tage Gäste zum Abendessen, schlafen, Frühstücken; es war noch nie leer, bis zu elf Leute in einer Nacht, ungerechnet einen alten Siechen, der immer da ist; ich habe zwischen sechzig und hundert Besucher am Tag." Mit Bruder Karl haben verschiedene Menschen die Erfahrung gemacht, dass sie als einzelne von ihm angenommen und respektiert werden. Er nimmt sich Zeit für den einzelnen, seine persönlichen Nöte und Schwierigkeiten. Er ist sich nicht zu schade in einem seiner Briefe nach Frankreich um Stricknadeln für die Tuaregfrauen zu bitten. Nazaret leben heißt für Charles de Foucauld auch, das Leben mit offenen Sinnen wahrzunehmen und daraus resultierend einzutreten für die Rechtlosen, die Schwächeren, die Armen. In Anlehnung an ein Zitat des Propheten Jeremia schreibt Foucauld in einem Brief: "Wir haben nicht das Recht, stumme Hunde zu sein." Leidenschaft für die Menschen nimmt wahr, wo Ungerechtigkeiten bestehen oder entstehen und fordert unser Eintreten - ganz im Sinne von Mt 25: "Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan." In Beni-Abbès entdeckt Charles de Foucauld, dass es immer noch die Sklaverei gibt - und dass, obwohl die (zivilisierten) Franzosen im Land sind. Aber es geschieht mit ihrer Billigung. Charles de Foucauld sieht im Kampf gegen die Sklaverei die erste menschliche und missionarische Arbeit, die er in Beni-Abbès ausführen muss, und zwar mit aller ihm eigenen Leidenschaft. Zugleich ist er Realist genug, um die Widerstände und Hindernisse vorauszusehen. "Man muss mit Widerspruch von allen Seiten rechnen und mit sehr großen Enttäuschungen (Widerspruch und Schwierigkeiten von Seiten der französischen Behörden und der arabischen Herren; Enttäuschungen auf Seiten der armen Leute)." Bruder Karl begnügt sich nicht damit, die Situation mit aller Klarheit zu erkennen und seine kirchlichen Oberen zu benachrichtigen: er macht sich selbst an die Arbeit. "Für die Sklaven", so schreibt er in einem Brief, "habe ich einen kleinen Raum, wo ich sie unterbringe und wo sie ein Nachtlager, Zuflucht, das tägliche Brot und Freundschaft finden." Und in einem Brief an Monsignore Guérin: "Wir haben nicht das Recht, stumme Hunde und stumme Schildwachen zu sein: uns kommt es zu, Lärm zu schlagen, wenn wir dem Übel begegnen, und laut zu verkünden: Non licet und Vae vobis hypocritae (Das ist nicht erlaubt, wehe euch Heuchlern!) .. Mir scheint, wir dürfen uns nie mit dem Übel abfinden, sondern müssen es mit aller Kraft bekämpfen." An den Abt von Notre-Dame des Neiges schreibt er: "Man muss sagen - oder durch Berechtigte sagen lassen: Ihr, die ihr auf die Briefmarken und überallhin druckt: "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Menschenrechte", und die ihr den Sklaven die Fesseln schmiedet, die ihr diejenigen zur Galeere verdammt, welche eure Banknoten fälschen, und erlaubt, Kinder ihren Eltern zu stehlen und sie öffentlich zu verkaufen, die ihr den Diebstahl eines Huhnes bestraft, aber den eines Menschen erlaubt (tatsächlich sind fast alle Sklaven dieses Gebietes frei geborene Kinder, die ihren Eltern gewaltsam entführt wurden)!... wir sollen uns nicht in die weltliche Regierung einmischen - keiner ist davon mehr überzeugt als ich - aber wenn die weltliche Macht sich eine schwere Ungerechtigkeit zuschulden kommen lässt gegen jene, für die wir in einem gewissen Umfang die Verantwortung tragen, muss man es ihr sagen, denn wir sind es, die auf Erden die Gerechtigkeit und die Wahrheit repräsentieren... Ich habe den Apostolischen Präfekten benachrichtigt, das genügt vielleicht..." "Keine menschliche Macht hat das Recht, Fesseln für diese Unglücklichen zu schmieden, die Gott ebenso frei geschaffen hat wie uns." "Nazaret leben" heißt mit den Benachteiligten gegen Unterdrückung, Gewalt und Armut anzukämpfen. Aber wer sich mit den Benachteiligten einsetzen will, muss mit ihnen ins Gespräch kommen. Der Dialog ist ein wichtiger Schritt zum gegenseitigen Verständnis. Und wichtige Vorraussetzung für einen gelingenden Dialog ist das Zuhören. Kennzeichnend für die "Missionsarbeit" Bruder Karls ist es, dass er nicht mit einem fertigen Programm bei den Tuareg erscheint, sondern mit ihnen lebt, mit ihnen im Gespräch ist, ihren Alltag teilt und auf diese Weise ihre Sorgen und Nöte zu seinen eigenen macht. Außerdem lernt er die Sprache der Tuareg. So gliedert er sich allmählich in die ansässige Bevölkerung ein und schließt echte Freundschaften. Er gehört bald einfach dazu und tut an seinem Platz, was er aufgrund seiner Kenntnisse und seiner Beziehungen zu den französischen Offizieren tun kann, damit das allgemeine Wohl, das Zusammenleben von Einheimischen und Militärverwaltung möglichst erträglich gestaltet werden kann. Mit Mussa Ag Amastane, dem Oberhaupt der Tuareg, schließt er echte Freundschaft. Mussa macht Bruder Karl zu seinem geistigen Führer! Charles der Foucauld gehört zu denen, die erkannt haben, dass Veränderung von Strukturen bei der eigenen ständigen Bekehrung anfangen muss. Obwohl bei alledem nicht ausdrücklich vom Einsatz für den Frieden die Rede ist, scheint in all diesen Aspekten die Herausforderung durch, am Frieden zu bauen, und sie ist eng verbunden mit der Anstrengung ein Bruder / eine Schwester aller zu werden. Bruder oder Schwester aller heißt wirklich aller, unabhängig von Religions- oder Volkszugehörigkeit oder sozialem Status. Vielleicht war Bruder Karl sich des Ausmaßes seines Anspruchs gar nicht so bewusst, aber heute ist klarer denn je, dass in der Verwirklichung universaler Geschwisterlichkeit der entscheidende Schlüssel zum Frieden zu finden ist. Bei dem Besinnungstag vor 2 Jahren haben wir über die Beziehung des "Bruders aller Menschen" zum Islam nachgedacht. Es wird heute immer klarer, wie sehr der Weltfriede auch vom Dialog der Religionen miteinander abhängt. Aber überall da, wo Menschen respektiert und geachtet, Beziehungen aufgebaut und gepflegt werden, ein solidarisches Miteinander eingeübt wird und auf die Bedürfnisse anderer gehört wird, da wird ein Beitrag für ein friedliches oder friedlicheres Zusammenleben geleistet, da wird am Frieden gebaut. Das Ferientreffen in Benediktbeuern war für mich auch ein wichtiger Baustein für ein friedliches Europa: - die Bereitschaft, sich intensiv zuzuhören in den Gesprächsgruppen - die Einübung von Toleranz, die einfach nötig ist, wenn so viele Menschen auf engem Raum zusammen leben - der Respekt vor dem Einzelnen und seinen Einstellungen - gegenseitige Hilfe (z.B. bei Fahrgemeinschaften) - der Besuch in Dachau, der einigen Teilnehmern fast 60 Jahre nach Kriegsende deutlich machte, dass die Deutschen nicht nur Täter, sondern auch Opfer waren, und zugleich die Einsicht bescherte, dass Lager wie Dachau auch heute noch existieren, auch in unserer Zeit immer noch solche Gräuel vorkommen, oder aber zu Ermutigung wurde, auch die eigene nationale Geschichte deutlicher anzuschauen... Ich möchte noch ein weiteres Frieden stiftendes Element im Leben Bruder Karls erwähnen: Im Zuge eines Massakers von Tuareg an französischen Soldaten hatte ein Freund Foucaulds sein Leben gelassen, ein anderer war meuchlings ermordet worden. Dennoch schreibt er an den Marquis de la Roche Tholon: "Ja, ich befinde mich unter diesen Völkerschaften, die meinen Freund getötet haben, und räche ihn, indem ich ihnen das Böse mit Gutem vergelte, indem ich mich bemühe, ihnen das ewige Leben zu geben." Hierbei spielt sicherlich eine Rolle, dass Bruder Karl zuvor zutiefst beeindruckt war von der Nächstenliebe einer Tuareg-Frau. Von Major Laperrine hatte er erfahren, dass nach dem Massaker an französischen Soldaten eine Frau aus einer vornehmen Tuareg-Familie ein sehr edles Verhalten an den Tag gelegt hatte: sie widersetze sich der Tötung der Verwundeten, nahm sie zu sich und pflegte sie, verweigerte einem Tuareg, der die Verwundeten töten wollte, den Eintritt in ihr Haus und veranlasste nach deren Genesung ihre Rückkehr nach Tripolis. Die zweite Achse in der Spiritualität Charles de Foucaulds, auf die ich aber hier nicht näher eingehen möchte, ist die zentrale Bedeutung des Gebets. Der kontemplative Blick auf die uns umgebende Wirklichkeit hat eine Wurzel in Gebet und Anbetung und mündet in Gebet und Anbetung. Zugleich ist er Antrieb für unseren Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit, ein Antrieb, der aus unserem Innern, aus dem Herzen kommen muss, wenn unser Engagement nicht hohl bleiben soll. Im Gebet vereinen wir uns mit dem Leben spendenden und Frieden stiftenden Gott, um den göttlichen Erlösungswillen durchzusetzen. Das kann uns innerlich verändern. (verwendete Literatur: J.-F. Six, Das Leben von Charles de Foucauld)

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Gedanken zum Thema "Begegnung mit dem Islam"


In den letzten Monaten sind in den Veröffentlichungen der einzelnen Gemeinschaften immer wieder nachdenkliche und anfragende Artikel zu "brennenden Themen" erschienen. Wir möchten sie hier zusammenführen und alle Leser zur Diskussion einladen. Nutzen Sie unser Gästebuch und steigen Sie in einen Meinungsaustausch mit den Verfassern und anderen Lesern ein.

Christoph Kohl: Begegnungen mit der islamisch-arabischen Welt - vor Ort und bei uns zuhause

Klaus Beurle: Notizen zum Dialog mit Muslimen

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Gedanken zum Thema "Neue Geistliche Gemeinschaften"


In den letzten Monaten sind in den Veröffentlichungen der einzelnen Gemeinschaften immer wieder nachdenkliche und anfragende Artikel zu "brennenden Themen" erschienen. Wir möchten sie hier zusammenführen und alle Leser zur Diskussion einladen. Nutzen Sie unser Gästebuch und steigen Sie in einen Meinungsaustausch mit den Verfassern und anderen Lesern ein.

Klaus Beurle: Das Scheinwerferlicht und die Neuen Geistlichen Gemeinschaften

Marianne Bonzelet über einen Vortrag von Medard Kehl: "Miteinander der Geistlichen Gemeinschaften - neue Aufbrüche für Kirche und Gesellschaft?"

Benedikt XIV: Bischöfe sollen geistliche Gemeinschaften fördern

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