In den letzten Monaten sind in den Veröffentlichungen der einzelnen Gemeinschaften immer wieder nachdenkliche und anfragende Artikel zu "brennenden Themen" erschienen. Wir möchten sie hier zusammenführen und alle Leser zur Diskussion einladen. Nutzen Sie unser Gästebuch und steigen Sie in einen Meinungsaustausch mit den Verfassern und anderen Lesern ein.
Nazaret
Nazaret ist der gewöhnliche christliche Alltag.
30 Jahre
lang lebte Jesus in der Verborgenheit und Unscheinbarkeit Nazarets, verbunden
mit Gott, seinem Vater.
30 Jahre lang lebte er in dieser
unerlösten Umgebung:
in einer Welt, in der alles, was uns
ängstigt, belastet und frustriert, auch schon vorhanden war
in einer
Welt, in der es Unrecht gab, Verfolgung, Gewaltsamkeit und Verachtung, Not,
Elend, und Hass.
Nazareth ist keine Idylle, keine heile Welt.
Nazareth bedeutet für Charles de Foucauld, den letzten Platz
als Lebensort und Lebenswirklichkeit zu wählen, den Platz, bei dem es
nicht um Kampf um Positionen und Anerkennung geht.
Die Sehnsucht
Charles de Foucaulds, das verborgene Leben Jesu in Nazaret zu teilen, stellt
uns die Frage nach unseren Lebenszielen. Sie ermutigt uns, den Wert des
Alltäglichen zu entdecken und mit unseren Fähigkeiten und
Begrenzungen auch denen der anderen verantwortlich umzugehen.
Kontemplativ mitten in der Welt
Die Kleinen Schwestern und Brüder wollen kontemplativ mitten
in der Welt leben. Das Besondere ihres Ordenscharismas ist der Versuch,
kontemplatives und aktives Ordensleben miteinander zu verbinden. So formuliert
z.B. Kleine Schwester Magdeleine für ihre Schwestern: Als
betende Menschen mitten in der Welt wagen wir zu sagen, dass das
kontemplative Leben in den übervölkerten Städten, im Lärm
der Straßen sich ebenso gut entfalten kann wie in der
Zurückgezogenheit eines Klosters.
Ähnliche
Aussagen finden wir in den Wegweisungen der anderen Gemeinschaften.
So
heißt es in der Wegweisung der Priestergemeinschaft:
Damit Bruderschaft möglich wird, muss das Leben der Brüder
in einer kontemplativen Haltung verwurzelt sein."
Eucharistie, Evangelium und Anbetung
Im Zusammenhang mit seiner Bekehrung ist uns von Charles de Foucauld das
Zitat überliefert: Sobald ich glaubte, dass es einen Gott gibt,
konnte ich nur noch für ihn leben.
Nach seiner
Bekehrung vertiefte er sich immer mehr in das Evangelium, um Jesus besser
kennen zu lernen, ihn nachahmen zu können und fähig zu werden, in
allem das tun, sagen und denken zu können, was Jesus getan, gedacht und
gesagt hätte.
Das Schriftgespräch ist auch Bestandteil
vieler Treffen in den Gemeinschaften. Ziel ist es, nach und nach zu entdecken,
was es heißt, das Evangelium zu leben.
In der Eucharistie leuchtete
Charles de Foucauld etwas von dem Geheimnis Gottes auf, er holte sich dort
seine Kraft für das alltägliche Leben
In diesem
Zusammenhang wird die Anbetung zum Grundakt seines Lebens. Anbetung ist
für ihn genauso wie für die Mitglieder der Gemeinschaften -
nicht im Sinne einer weltabgewandten Frömmigkeit zu sehen.
Das
ganze Leben soll Anbetung sein, soll etwas von der Liebesbeziehung zu Gott, zu
Jesus widerspiegeln. In die Anbetung, in das absichtslose Dasein vor Gott,
fließt das ganze Leben, die Menschen um uns herum, die Schwächen,
die Dankbarkeit und alles, was unseren Alltag ausmacht, mit ein.
Andererseits geht aus der Anbetung unser Handeln hervor, so dass sie zu einem
ständigen Kreislauf von Leben, Gebet, Fürbitte und Liebe wird. Es
geht nicht um seelisch-geistiges Auftanken, sondern um die Antwort auf Gottes
Liebe, weil er allein es verdient, leidenschaftlich geliebt zu
werden.
Lebensbetrachtung (Révision de vie)
Die Révision de vie ist Ausdruck des Gehorsams gegenüber dem
Willen Gottes und der geschwisterlichen Wegbegleitung. In allen Gemeinschaften
Charles de Foucaulds hat sie einen wichtigen Platz.
Da es nicht
leicht ist, ohne Korrektur den Willen Gottes für unser Leben zu erkennen,
also nicht den eigenen fixen Ideen nachzulaufen, übernimmt die
Gemeinschaft diesen geschwisterlichen Dienst, der vor allem für die allein
lebenden Brüder und Schwestern notwendig ist.
Es geht darum, im
Rückblick auf einen bestimmten Lebensabschnitt, die großen Linien im
ganz konkreten Alltag, den Begegnungen, den Problemen, im geistlichen Leben zu
erkennen und die Wegweisungen, die sie für Gegenwart und Zukunft
aufweisen. Es geht auch darum, offen zu sein für Neues, für
ungewohnte Schritte im Vertrauen auf Gott.
Wüste
Anfangs war die Wüste für Charles de Foucauld vor allem ein
Ort der Kontemplation. Im Laufe seines Lebens jedoch erhält sie noch eine
zweite Perspektive: Wüste ist auch ein Ort, wo Menschen in Not sind und wo
man herausgefordert ist, sich für diese einzusetzen, um ihnen Gutes zu
erweisen.
Der Wüstentag ist in den Gemeinschaften
Charles de Foucaulds ein Tag des Schweigens, ein Tag der Prüfung und des
Gebetes. Es geht darum, im Getriebe des Alltags einmal innezuhalten und alles
loszulassen, was unser Leben besetzt. Er ist eine Zeit, um nach
Gott Ausschau zu halten und den Blick auf unsere Mitmenschen zu richten, ihre
Not zu sehen und in der Fürbitte für sie einzutreten.
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Mein VATER, ich überlasse mich Dir, mach mit mir, was Dir gefällt. Was du auch mit mir tun magst, ich danke Dir. Zu allem bin ich bereit, alles nehme ich an. Wenn nur Dein Wille sich an mir erfüllt und an allen Deinen Geschöpfen, so ersehne ich weiter nichts, mein Gott. In Deine Hände lege ich meine Seele; Ich gebe sie Dir, mein Gott, mit der ganzen Liebe meines Herzens, weil ich Dich liebe, und weil diese Liebe mich treibt, mich Dir hinzugeben, mich in Deine Hände zu legen, ohne Maß, mit einem grenzenlosen Vertrauen; denn Du bist mein VATER. |
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Dieses Gebet ist nicht ein Gebet, das Charles de Foucauld für
eventuelle Gefährten geschrieben oder gar selbst in diesem Wortlaut
gebetet hat. Es ist vielmehr ein Auszug aus Meditationen über das
Evangelium im Blick auf die Kardinaltugenden. Sie wurden von Charles de
Foucauld 1896 geschrieben gegen Ende seines Aufenthalts bei den Trappisten in
Akbes. Damals war er noch Bruder Marie-Albéric.
Es ist also
ein Gebet, das er Jesus in den Mund legt und das ganz wahrhaftig auch nur von
Jesus gesprochen werden kann. Für jeden von uns wäre es eine
Überforderung.
Wenn wir es innerhalb der geistlichen Familie
verwenden, dann
- in dem Bewusstsein, dass wir es niemals alleine sprechen
können, sondern Jesus es mit uns zusammen spricht und
- um mit Jesu
Hilfe immer mehr in den Geist der Hingabe hinein zu wachsen, um uns mit ihm
einzuschwingen in seine vertrauensvolle Hingabe an den Vater.
Dieses
Gebet lädt ein, sich mit Jesus zu verbinden. Es will unser Leben vor Gott
und den Menschen in die Richtung lenken, in der Jesu Leben sich bewegte, und
zur vertrauenden Hingabe an den Vater ermutigen.
Zur Geschichte des
Gebets der Hingabe
Die Aussagen zur Geschichte sind
einem Aufsatz von Antoine Chatelard, einem Kleinen Bruder Jesu, entnommen, der
sich sehr intensiv, vielleicht wie kein zweiter in der geistlichen Familie, mit
diesem Gebet auseinandergesetzt hat.
Im Zusammenhang mit dem
Bericht vom Tod eines der ersten Kleinen Brüder von El Abiodh (Marc
Gérin) wurde das Gebet 1946 im Bulletin der Assoziation Charles de
Foucauld erstmals abgedruckt in der Form, wie wir es heute kennen, wurde
allerdings Gott mit Sie angeredet.
In diesem Bericht wurde aus dem
Brief eines Studienkollegen von Marc Gérin zitiert. Diesem Freund hatte
Marc Gérin das Gebet aufgeschrieben. Er selbst hatte es vermutlich von
Kl. Schwester Magdeleine von Jesus erhalten, die ihn 1945 im Krankenhaus
besucht hatte.
Die Kleinen Schwestern waren zu diesem Zeitpunkt erst
etwa ein Dutzend, beteten das Gebet aber seit 4 Jahren täglich; sie hatten
unmittelbar von dem ersten Noviziat 1940 damit begonnen.
Etwa um 1955
wurde es zur Gewohnheit, das Gebet am Abend nach einer kurzen Revision des
Tages zu sprechen.
Mein persönlicher Umgang mit dem Gebet
Bruder Karls
Um in den Geist des Gebets der Hingabe immer mehr
hineinwachsen zu können, ist es hilfreich, die einzelnen Gedanken dieses
Gebetes immer wieder einmal auch mit meinen eigenen Worten zu umschreiben und
so die Arbeit Bruder Karls fortzuführen: Ich fülle die von ihm
formulierten Aussagen mit dem Inhalt meines Lebens!
Was will ich dem
HERRN eigentlich sagen, wenn ich bete: Ich überlasse mich
dir..., In deine Hände lege ich meine Seele.... ...?
Autorin: Marianne Bonzelet, 48 Jahre, Studienrätin für
Katholische Religion und Mathematik, seit 18 Jahren Mitglied der Gemeinschaft
Charles de Foucauld
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Komm, Schöpfer Geist, komm, brich herein,
dring tief in unser Wesen ein. Erfüll mit Gnaden, was Du schufst, brich auf die Herzen, die Du rufst. Du unser Beistand in der Zeit, des Allerhöchsten Gütigkeit, des Lebens Ursprung, Liebesglut, des Geistes Salbung, Glaubensmut. Du siebenfacher Gnadenbrand - Dem Finger gleich an Gottes Hand - Verheißner Gast in unsrer Nacht, der stumme Zungen reden macht. Glüh auf, der Sinne Licht zu sein, gieß Liebe in die Herzen ein, bring unsern Leib in Dienstbarkeit, dass deine Kraft uns Sieg verleiht. Treib den Versucher von uns weit, schenk Frieden uns und aller Zeit; geh du voran, sei Weg und Stern; halt Unheil und Gefahren fern! Mach uns den Vater offenbar, laß uns den Sohn erkennen wahr; schließ auf, was wir in dir erkannt, den beider Liebe uns gesandt! Lob sei dem Vater auf dem Thron, Lob seinem auferstandnen Sohn, Lob dir, dem Geist, der Trost verleiht, jetzt und in alle Ewigkeit. Amen. -Sende aus deinen Geist, und es wird eine neue Schöpfung, - Und du wirst das Angesicht der Erde erneuern! |
Komm, Schöpfer Geist, komm, brich herein,
dring
tief in unser Wesen ein.
Erfüll mit Gnaden, was Du schufst,
brich
auf die Herzen, die Du rufst.
Komm brich herein dring ein - sogar:
dring tief ein erfülle - mit Gnaden und noch einmal: brich auf - die
Herzen, die du rufst
Starke Verben bestimmen den Auftakt des Geisthymnus
Der Heilige Geist wird aufgefordert zu kommen - hereinzubrechen - einzudringen
- zu erfüllen - aufzubrechen
Es sind Verben, die auch etwas
Gewaltsames bedeuten können: einbrechen - aufbrechen - eindringen
Im
allgemeinen wehren wir uns gegen Eindringlinge, Einbrecher, Aufbrecher und
schützen uns vor ihnen, bauen Mauern.... Die beiden Übersetzungen aus
dem Gotteslob sind in dieser Strophe viel weniger radikal. Vielleicht brauchen
wir gerade heute solch starke Verben, um unserer oft verschütteten
Sehnsucht danach Ausdruck zu verleihen, der Geist möge aus unserem
kraftlos gewordenen Alltag neues Leben hervorlocken.
Viele Menschen sehnen
sich nach mehr Leben, mehr Lebendigkeit - auch in unserer Kirche. Sie sehnen
sich danach, die Geistesgaben in sich selbst zu entdecken, und nach
Räumen, in denen diese sich entfalten können. Die Wahl der starken
Verben provoziert geradezu die Frage, wer das ist, der da gerufen wird,
einzudringen, ein- und aufzubrechen. Es ist Heiliger Geist, schöpferischer
Geist, der schon am Anfang der Schöpfung die Struktur, die dem Chaos
innewohnt, sichtbar macht.
Dieser Heilige Geist ist nur schwer zu
beschreiben, er hat viele Namen. Gleich zwei Strophen sind voll davon.
Du unser Beistand in der Zeit,
des Allerhöchsten
Gütigkeit,
des Lebens Ursprung, Liebesglut,
des Geistes Salbung,
Glaubensmut.
Du siebenfacher Gnadenbrand -
Dem Finger gleich an
Gottes Hand -
Verheißner Gast in unsrer Nacht,
der stumme Zungen
reden macht.
Beistand Güte Ursprung des Lebens: Ursprung und
Quelle, die nie versiegt.
Viele fühlen sich heute ausgebrannt,
vertrocknet, erstarrt, weil sie ständig gefordert sind und pausenlos geben
müssen. Die Anrede "Ursprung des Lebens" kann uns ins Bewusstsein rufen,
dass die Quelle des Hl. Geistes dennoch ständig in uns sprudelt und uns
erfrischen und stärken will.
Glut der Liebe
Salbung - die Wunden
heilt und uns zu der Aufgabe beruft, die jedem von uns zukommt
Glaubensmut
- Mut zum Glauben - Mut, der aus dem Glauben erwächst
Gnadenbrand
Finger an Gottes Hand
Verheißung in unserer Nacht, unserem Dunkel
Er gibt unserer Stummheit Sprache.
Alle Anreden können diesen
Heiligen Geist, der da in uns eindringen und uns aufbrechen soll, nicht fassen.
Und so scheint es, dass Rabanus Maurus einen zweiten Anlauf wagt, der
stärker auf das Wirken dieses Geistes ausgerichtet ist:
Glüh auf, der Sinne Licht zu sein,
gieß Liebe in die
Herzen ein,
bring unsern Leib in Dienstbarkeit,
dass deine Kraft uns
Sieg verleiht.
Er soll in uns aufglühen wie Licht, unsere
Sinne hell machen, aufmerksam und wach - empfänglich, damit wir mit allen
Sinnen diese Welt wahrnehmen. Wer mit wachen Sinnen seinen Alltag erlebt, der
kann ganz da sein. Denn unsere Sinne bringen uns in Beziehung zur Wirklichkeit.
Oft spüren wir nicht mehr, was um uns herum vorgeht, weil wir mit unseren
Gedanken an Vergangenem haften oder schon in der Zukunft angekommen sind - und
die Gegenwart vernachlässigen. Die Sinne sind unser Organ der
Gotteserfahrung. Wir erfahren Gott nicht mit unserem Verstand. Die Sinne helfen
uns, aus den vielen Stimmen die Stimme Gottes herauszuhören.
Er soll
Liebe in die Herzen gießen, die Liebe Gottes, des Vaters, und so zur
Energie für Herz und Sinne werden, die Energie unseres Wesens, unseres
Seins werden, die uns fähig macht zur Liebe. Im Heiligen Geist
fließt die göttliche Liebe durch unser Herz und unseren Leib. Ihn
soll sie in Dienstbarkeit bringen - unseren Leib, den Ausdruck und Träger
unserer Gedanken und Worte Erfahrungen und Taten. Die Liebe Gottes soll das
zerbrechliche Gefäß unseres Leibes mit neuer Kraft durchdringen. Sie
will in uns Mensch werden!
Treib den Versucher von uns weit,
schenk Frieden uns und aller Zeit;
geh du voran, sei Weg und Stern;
halt Unheil und Gefahren fern!
Den Versucher soll er weit weg
treiben
Er soll Frieden schenken - uns - unserer Zeit - allen Zeiten
Er
soll vorangehen, damit wir uns an ihm orientieren, uns von ihm leiten lassen,
so dass Unheil und Gefahren uns zutiefst nicht gefährden.
Mach
uns den Vater offenbar,
laß uns den Sohn erkennen wahr;
schließ auf, was wir in dir erkannt,
den beider Liebe uns
gesandt!
Er soll uns den Vater zeigen, uns helfen, den Menschensohn
zu erkennen, in dem der Vater sich ausdrückt.
Er soll sich uns
schließlich selbst erschließen, uns sein Wirken erfahren lassen,
sein Wirken, das in der Liebe des Vaters und in Jesus seinen Ursprung hat.
Lob sei dem Vater auf dem Thron,
Lob seinem auferstandnen Sohn,
Lob dir, dem Geist, der Trost verleiht,
jetzt und in alle Ewigkeit.
Amen.
An den Lobpreis für den Vater, den Sohn und den
Heiligen Geist schließt sich nun in der von Charles de Foucauld
empfohlenen - und offensichtlich in der kirchlichen Tradition schon bekannten
Praxis - noch an:
-Sende aus deinen Geist, und es wird eine neue
Schöpfung,
- Und du wirst das Angesicht der Erde erneuern!
Es handelt sich dabei um einen Vers am Ende von Psalm 104 (V.30).
Dieser Psalm ist ein Schöpfungspsalm, und so schließt sich der Kreis
zur 1. Zeile: "Komm, Schöpfer Geist....!" Gott hat durch sein Wort, seinen
Atem, die Welt ins Dasein gerufen. Im Atem, den wir jeden Augenblick in uns
einziehen, können wir erahnen, dass und wie er uns ständig neu belebt
und uns mit seiner Gegenwart erfüllt - durch den Hauch seines Geistes.
Anregungen für eine persönliche Besinnungszeit oder
für ein Gespräch in der Gruppe:
1. Wie geht es mir mit der
Vorstellung, dass der Geist Gottes in mich eindringen und mein Herz aufbrechen
soll?
2. Ich lasse die Anreden und Bitten zum Heiligen Geist in diesem
Hymnus auf mich wirken und verweile eine Zeit lang da, wo ich mich besonders
angesprochen oder angerührt fühle.
3. Das Geschenk des
Auferstandenen ist der Heilige Geist. Es ist der Geist, der Leben schafft. Ich
bin beschenkt mit Gottes Leben schaffendem Geist, dem ich in meinem Leben Raum
geben soll und der durch mich weiter wirken soll.
- Spüre ich das
Wirken Gottes in meinem Leben?
- Kann ich das Wirken des Geistes in mir
zulassen?
- Ich versuche, die Spuren zu entdecken, die der Geist Gottes in
meinem Leben bereits hinterlassen hat, und formuliere meinen Dank und meine
Bitte an den Heiligen Geist.
Marianne Bonzelet
...Ich (Jesus) lehre euch zunächst, dass man den Menschen Gutes tun
kann, viel Gutes, unendlich Gutes, göttlich Gutes, ohne Worte, ohne
Predigt, ohne Aufsehen, im Schweigen und indem man ein gutes Beispiel gibt ...
Was für ein Beispiel? ... Das Beispiel der Frömmigkeit, der
liebevollen Erfüllung der Pflichten gegenüber Gott, der Güte
gegen alle Menschen, der Zärtlichkeit zu jenen, die uns umgeben, der
heiligmäßigen Erfüllung häuslicher Pflichten...
Aus
einer Meditation von Charles de Foucauld zu Lk 2, 39 (".... sie kehrten nach
Galiläa in ihre Stadt Nazaret zurück.") während Exerzitien in
Ephrem 1898
Aus einem Brief an Louis Massignon vom 22. Juli 1914
Was
Ihre Gebetsverpflichtungen betrifft, so ist das, was Sie tun, völlig
ausreichend. Ich verstehe sehr gut, dass Sie an manchen Tagen nicht die Zeit
für fünf Rosenkranzgesetze finden. Das soll Sie nicht beunruhigen.
Ersetzen Sie die Augenblicke, die Sie dem Geliebten nicht im Gebet widmen
konnten, weil Er Ihnen andere Pflichten auferlegte, durch einen Akt liebender
Hinwendung zu Ihm ... Versuchen Sie jedoch, Zeit zu finden für die
Betrachtung der Heiligen Schrift. ... Wir müssen durch immer erneutes
Lesen und Meditieren Seines Wortes und Seines Beispiels versuchen, uns vom
Geist JESU durchdringen zu lassen. Sein Wort soll in unserer Seele wirken, wie
der stete Tropfen, der den Stein immer an der gleichen Stelle höhlt.
(Aus: Jean Francois Six: Abenteurer der Liebe Gottes: 80
unveröffentlichte Briefe von Charles de Foucauld an Louis Massignon. -
Würzburg : echter, 1998. - S. 143 )
Aus einem Brief an Louis Massignon vom 15. August 1916
Öffnen Sie sich dem Nächsten, darin liegt die beste Weise, auf Gott
hin voranzuschreiten. Was man einem dieser Geringsten tut, das tut man Ihm ...
Wenn Sie aufgrund innerer oder äußerer Hindernisse Mühe
haben, sich für längere Zeit innerlich zu sammeln, dann sammeln Sie
sich häufiger für kurze Zeit. Anstatt morgens einmal ein
5-Francstück zu geben, geben Sie 10-Sousstücke, eines zu jeder Stunde
am Tag. ...
(Aus: Jean Francois Six: Abenteurer der Liebe Gottes: 80
unveröffentlichte Briefe von Charles de Foucauld an Louis Massignon. -
Würzburg : echter, 1998. - S. 183/184 )
Aus einem Brief an Abbé Huvelin, 1. Januar 1908
...wo man im Gegenteil doch so viel Gutes tun sollte und könnte,
verschlimmert man den so beklagenswerten moralischen und intelektuellen Zustand
dieser Völker und sieht in ihnen nur ein Mittel für materiellen
Gewinn. Was die Eingeborenen an uns Christen, die eine Religion der Liebe
bekennen, was sie an den ungläubigen Franzosen, welche die
Brüderlichkeit von den Dächern schreien, in Wirklichkeit sehen, ist
Nachlässigkeit, Ehrgeiz oder Habsucht und leider fast bei allen
Gleichgültigkeit, Abneigung und Härte.
(Aus: Charles de
Foucuald ; Abbé Huvelin: Briefwechsel / hrsg. von Jean Francois Six. -
Salzburg : Otto Müller, 1961. - S. 255-256)
In der Gemeinschaft Charles de Foucauld gibt es immer für je
zwei Jahre ein Thema, das die einzelnen Gruppen in ganz Europa zum
Gespräch anregen soll. Für die Jahre 2003/2004 lautet das Thema
"Charles de Foucauld - ein Prophet des Friedens". Anlässlich eines
Einkehrtages der Gemeinschaft in Deutschland hielt Marianne Bonzelet (zurzeit
europäisches Mitglied im Weltrat der Gemeinschaft) folgenden Impuls:
Am Frieden bauen
Das für 2003/04 vorgeschlagene
Unterthema "Friedensstifter werden" habe ich für den heutigen Tag
umformuliert in "Am Frieden bauen". Es ist ein sehr weites Thema. Um es
einigermaßen handhabbar zu machen, scheint mir die Methode SEHEN -
URTEILEN - HANDELN gut geeignet zu sein. (Kardinal Cardijn, Christliche
Arbeiter Bewegung) In einem ersten Schritt geht es also darum, den Blick auf
die Realität zu werfen, die uns umgibt. Was nehme ich an Gewalt, Unfriede,
Friedlosigkeit, Ungerechtigkeit in meinem eigenen Umfeld wahr? (Zeit zum
Nachdenken - Gedanken auf Zetteln festhalten - Zettel auf ein Holzkreuz heften
- keine Bewertung! Einfach nur wahrnehmen!) Frieden stiftende Aspekte /
Elemente im Leben und der Spiritualität von Charles de Foucauld Wir leben
hier in Deutschland in sehr sicheren Verhältnissen. Um so wichtiger ist es
für uns, genau hinzuschauen, aufmerksam dafür zu werden, wo der
alltägliche "Kleinkrieg" um uns herum tobt und wie wir selbst in die
weltweiten friedlosen Zusammenhänge verstrickt sind: Kleidung, die in
Billiglohn-Ländern hergestellt wurde; Coltan im Handy ist Anlass zum Krieg
im Kongo; Geldanlage bei Ethik-Banken.... Im Gespräch in den Kleingruppen
wird es im Laufe des Tages darum gehen diese Wahrnehmung in das Licht des
Evangeliums zu stellen und miteinander zu schauen, ob wir angesichts der Lage
nur resignieren können oder welche Möglichkeiten wir für uns
sehen, am Frieden zu bauen. Vielleicht tun wir es ja auch schon, ohne es
ausdrücklich so zu benennen. Als Mitglieder der Gemeinschaft Charles de
Foucauld sollten wir darüber hinaus schauen, in welcher Weise uns Charles
de Foucauld ein Vorbild sein kann. Dazu können wir zum einen sein Leben,
seine Erfahrungen, in den Blick nehmen; zum anderen lohnt ein Blick in den "Weg
der Einheit", der so etwas wie die Grundsatzerklärung der Gemeinschaft
weltweit darstellt. Typisch für die Spiritualität Charles de
Foucaulds scheint mir die Verbindung der Leidenschaft für Gott mit der
Leidenschaft für die Menschen und die daraus resultierende dynamische
Wechselbeziehung zwischen Kontemplation und Aktion. Beides gehört immer
notwendig zusammen. Keiner der beiden Aspekte darf vom anderen verzweckt oder
auf den anderen reduziert werden. Die Leidenschaft für die Menschen
erfährt im Stichwort "Nazaret" eine entscheidende Konkretisierung. Nazaret
steht dafür, dass Gott sich so sehr mit der Welt verbunden hat, dass er
nichts Besseres zu tun hatte, als den größten Teil seines Lebens in
einem ganz unbedeutenden, verrufenen Nest der Weltgeschichte zuzubringen. Es
steht andererseits auch für die Gegenwart Gottes im Niedrigen und
Alltäglichen der Welt. Foucauld erkannte aber im Laufe seines Aufenthalts
in Nazaret, dass das Leben von Nazaret nicht an diesen konkreten Ort gebunden
ist, sondern an jedem Ort der Welt geführt werden kann. "Das Leben von
Nazareth führen, aber nicht im so sehr geliebten Heiligen Land, sondern
unter den Menschen, die die kränksten und hilflosesten sind." "Nazaret"
wird zu einer Lebenshaltung, einer Art Lebensmodell. (Die Nazaretzeit 1998 in
Biber stand unter dem Thema: "Nazaret - ein Lebensmodell für
Normalverbraucher") Nazaret als Lebenshaltung mündet für Bruder Karl
in dem Wunsch, der Bruder aller Menschen zu werden. Aber was heißt es:
Wie Jesus in Nazaret zu leben? Es kann heißen: sich bemühen, ein
solidarisches Miteinander zu verwirklichen in Familie, im Beruf, in der
Nachbarschaft... Nazaret wird zum Ort des geschwisterlichen Zusammenlebens.
Charles de Foucauld war zeitlebens bemüht, Brüder zu finden, mit
denen er das verwirklichen konnte. Für Bruder Karl wird "Nazaret" zu einer
Art Synonym für das Leben geschwisterlicher Beziehungen getragen von einem
Geist des Dienens und der Einfachheit. "Nazaret leben" bedeutet u.a. - die
eigenen Grenzen wie die der anderen akzeptieren, - den Menschen ohne Vorurteile
begegnen, - jedem die ihm bzw. ihr zustehende Würde auch zukommen lassen -
im anderen (wie auch in sich selbst) das Positive sehen - ein einfaches Leben
Für Charles de Foucauld ist eine in diesem Zusammenhang wichtige Tugend
die Gastfreundschaft, das offene Haus. Nazaret ist nicht der Ort großer
Aktionen und Programme, sondern der Ort, wo Menschen geschwisterliche
Beziehungen verwirklichen. "Ich bin derart mit äußeren
Geschäften überhäuft, dass ich keinen Augenblick Zeit mehr zum
Lesen habe, auch nicht viel zum Meditieren. Die armen Soldaten kommen
ständig zu mir. Die Sklaven füllen das kleine Häuschen, das man
für sie hat errichten können, die Reisenden kommen geradewegs zur
"Bruderschaft", die Armen sind reichlich vorhanden ... Alle Tage Gäste zum
Abendessen, schlafen, Frühstücken; es war noch nie leer, bis zu elf
Leute in einer Nacht, ungerechnet einen alten Siechen, der immer da ist; ich
habe zwischen sechzig und hundert Besucher am Tag." Mit Bruder Karl haben
verschiedene Menschen die Erfahrung gemacht, dass sie als einzelne von ihm
angenommen und respektiert werden. Er nimmt sich Zeit für den einzelnen,
seine persönlichen Nöte und Schwierigkeiten. Er ist sich nicht zu
schade in einem seiner Briefe nach Frankreich um Stricknadeln für die
Tuaregfrauen zu bitten. Nazaret leben heißt für Charles de Foucauld
auch, das Leben mit offenen Sinnen wahrzunehmen und daraus resultierend
einzutreten für die Rechtlosen, die Schwächeren, die Armen. In
Anlehnung an ein Zitat des Propheten Jeremia schreibt Foucauld in einem Brief:
"Wir haben nicht das Recht, stumme Hunde zu sein." Leidenschaft für die
Menschen nimmt wahr, wo Ungerechtigkeiten bestehen oder entstehen und fordert
unser Eintreten - ganz im Sinne von Mt 25: "Was ihr dem Geringsten meiner
Brüder getan habt, das habt ihr mir getan." In Beni-Abbès entdeckt
Charles de Foucauld, dass es immer noch die Sklaverei gibt - und dass, obwohl
die (zivilisierten) Franzosen im Land sind. Aber es geschieht mit ihrer
Billigung. Charles de Foucauld sieht im Kampf gegen die Sklaverei die erste
menschliche und missionarische Arbeit, die er in Beni-Abbès
ausführen muss, und zwar mit aller ihm eigenen Leidenschaft. Zugleich ist
er Realist genug, um die Widerstände und Hindernisse vorauszusehen. "Man
muss mit Widerspruch von allen Seiten rechnen und mit sehr großen
Enttäuschungen (Widerspruch und Schwierigkeiten von Seiten der
französischen Behörden und der arabischen Herren; Enttäuschungen
auf Seiten der armen Leute)." Bruder Karl begnügt sich nicht damit, die
Situation mit aller Klarheit zu erkennen und seine kirchlichen Oberen zu
benachrichtigen: er macht sich selbst an die Arbeit. "Für die Sklaven", so
schreibt er in einem Brief, "habe ich einen kleinen Raum, wo ich sie
unterbringe und wo sie ein Nachtlager, Zuflucht, das tägliche Brot und
Freundschaft finden." Und in einem Brief an Monsignore Guérin: "Wir
haben nicht das Recht, stumme Hunde und stumme Schildwachen zu sein: uns kommt
es zu, Lärm zu schlagen, wenn wir dem Übel begegnen, und laut zu
verkünden: Non licet und Vae vobis hypocritae (Das ist nicht erlaubt, wehe
euch Heuchlern!) .. Mir scheint, wir dürfen uns nie mit dem Übel
abfinden, sondern müssen es mit aller Kraft bekämpfen." An den Abt
von Notre-Dame des Neiges schreibt er: "Man muss sagen - oder durch Berechtigte
sagen lassen: Ihr, die ihr auf die Briefmarken und überallhin druckt:
"Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Menschenrechte", und die ihr den
Sklaven die Fesseln schmiedet, die ihr diejenigen zur Galeere verdammt, welche
eure Banknoten fälschen, und erlaubt, Kinder ihren Eltern zu stehlen und
sie öffentlich zu verkaufen, die ihr den Diebstahl eines Huhnes bestraft,
aber den eines Menschen erlaubt (tatsächlich sind fast alle Sklaven dieses
Gebietes frei geborene Kinder, die ihren Eltern gewaltsam entführt
wurden)!... wir sollen uns nicht in die weltliche Regierung einmischen - keiner
ist davon mehr überzeugt als ich - aber wenn die weltliche Macht sich eine
schwere Ungerechtigkeit zuschulden kommen lässt gegen jene, für die
wir in einem gewissen Umfang die Verantwortung tragen, muss man es ihr sagen,
denn wir sind es, die auf Erden die Gerechtigkeit und die Wahrheit
repräsentieren... Ich habe den Apostolischen Präfekten
benachrichtigt, das genügt vielleicht..." "Keine menschliche Macht hat das
Recht, Fesseln für diese Unglücklichen zu schmieden, die Gott ebenso
frei geschaffen hat wie uns." "Nazaret leben" heißt mit den
Benachteiligten gegen Unterdrückung, Gewalt und Armut anzukämpfen.
Aber wer sich mit den Benachteiligten einsetzen will, muss mit ihnen ins
Gespräch kommen. Der Dialog ist ein wichtiger Schritt zum gegenseitigen
Verständnis. Und wichtige Vorraussetzung für einen gelingenden Dialog
ist das Zuhören. Kennzeichnend für die "Missionsarbeit" Bruder Karls
ist es, dass er nicht mit einem fertigen Programm bei den Tuareg erscheint,
sondern mit ihnen lebt, mit ihnen im Gespräch ist, ihren Alltag teilt und
auf diese Weise ihre Sorgen und Nöte zu seinen eigenen macht.
Außerdem lernt er die Sprache der Tuareg. So gliedert er sich
allmählich in die ansässige Bevölkerung ein und schließt
echte Freundschaften. Er gehört bald einfach dazu und tut an seinem Platz,
was er aufgrund seiner Kenntnisse und seiner Beziehungen zu den
französischen Offizieren tun kann, damit das allgemeine Wohl, das
Zusammenleben von Einheimischen und Militärverwaltung möglichst
erträglich gestaltet werden kann. Mit Mussa Ag Amastane, dem Oberhaupt der
Tuareg, schließt er echte Freundschaft. Mussa macht Bruder Karl zu seinem
geistigen Führer! Charles der Foucauld gehört zu denen, die erkannt
haben, dass Veränderung von Strukturen bei der eigenen ständigen
Bekehrung anfangen muss. Obwohl bei alledem nicht ausdrücklich vom Einsatz
für den Frieden die Rede ist, scheint in all diesen Aspekten die
Herausforderung durch, am Frieden zu bauen, und sie ist eng verbunden mit der
Anstrengung ein Bruder / eine Schwester aller zu werden. Bruder oder Schwester
aller heißt wirklich aller, unabhängig von Religions- oder
Volkszugehörigkeit oder sozialem Status. Vielleicht war Bruder Karl sich
des Ausmaßes seines Anspruchs gar nicht so bewusst, aber heute ist klarer
denn je, dass in der Verwirklichung universaler Geschwisterlichkeit der
entscheidende Schlüssel zum Frieden zu finden ist. Bei dem Besinnungstag
vor 2 Jahren haben wir über die Beziehung des "Bruders aller Menschen" zum
Islam nachgedacht. Es wird heute immer klarer, wie sehr der Weltfriede auch vom
Dialog der Religionen miteinander abhängt. Aber überall da, wo
Menschen respektiert und geachtet, Beziehungen aufgebaut und gepflegt werden,
ein solidarisches Miteinander eingeübt wird und auf die Bedürfnisse
anderer gehört wird, da wird ein Beitrag für ein friedliches oder
friedlicheres Zusammenleben geleistet, da wird am Frieden gebaut. Das
Ferientreffen in Benediktbeuern war für mich auch ein wichtiger Baustein
für ein friedliches Europa: - die Bereitschaft, sich intensiv
zuzuhören in den Gesprächsgruppen - die Einübung von Toleranz,
die einfach nötig ist, wenn so viele Menschen auf engem Raum zusammen
leben - der Respekt vor dem Einzelnen und seinen Einstellungen - gegenseitige
Hilfe (z.B. bei Fahrgemeinschaften) - der Besuch in Dachau, der einigen
Teilnehmern fast 60 Jahre nach Kriegsende deutlich machte, dass die Deutschen
nicht nur Täter, sondern auch Opfer waren, und zugleich die Einsicht
bescherte, dass Lager wie Dachau auch heute noch existieren, auch in unserer
Zeit immer noch solche Gräuel vorkommen, oder aber zu Ermutigung wurde,
auch die eigene nationale Geschichte deutlicher anzuschauen... Ich möchte
noch ein weiteres Frieden stiftendes Element im Leben Bruder Karls
erwähnen: Im Zuge eines Massakers von Tuareg an französischen
Soldaten hatte ein Freund Foucaulds sein Leben gelassen, ein anderer war
meuchlings ermordet worden. Dennoch schreibt er an den Marquis de la Roche
Tholon: "Ja, ich befinde mich unter diesen Völkerschaften, die meinen
Freund getötet haben, und räche ihn, indem ich ihnen das Böse
mit Gutem vergelte, indem ich mich bemühe, ihnen das ewige Leben zu
geben." Hierbei spielt sicherlich eine Rolle, dass Bruder Karl zuvor zutiefst
beeindruckt war von der Nächstenliebe einer Tuareg-Frau. Von Major
Laperrine hatte er erfahren, dass nach dem Massaker an französischen
Soldaten eine Frau aus einer vornehmen Tuareg-Familie ein sehr edles Verhalten
an den Tag gelegt hatte: sie widersetze sich der Tötung der Verwundeten,
nahm sie zu sich und pflegte sie, verweigerte einem Tuareg, der die Verwundeten
töten wollte, den Eintritt in ihr Haus und veranlasste nach deren Genesung
ihre Rückkehr nach Tripolis. Die zweite Achse in der Spiritualität
Charles de Foucaulds, auf die ich aber hier nicht näher eingehen
möchte, ist die zentrale Bedeutung des Gebets. Der kontemplative Blick auf
die uns umgebende Wirklichkeit hat eine Wurzel in Gebet und Anbetung und
mündet in Gebet und Anbetung. Zugleich ist er Antrieb für unseren
Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit, ein Antrieb, der aus unserem
Innern, aus dem Herzen kommen muss, wenn unser Engagement nicht hohl bleiben
soll. Im Gebet vereinen wir uns mit dem Leben spendenden und Frieden stiftenden
Gott, um den göttlichen Erlösungswillen durchzusetzen. Das kann uns
innerlich verändern. (verwendete Literatur: J.-F. Six, Das Leben von
Charles de Foucauld)
In den letzten Monaten sind in den Veröffentlichungen der einzelnen Gemeinschaften immer wieder nachdenkliche und anfragende Artikel zu "brennenden Themen" erschienen. Wir möchten sie hier zusammenführen und alle Leser zur Diskussion einladen. Nutzen Sie unser Gästebuch und steigen Sie in einen Meinungsaustausch mit den Verfassern und anderen Lesern ein.
Christoph Kohl: Begegnungen mit der islamisch-arabischen Welt - vor Ort und bei uns zuhause
Klaus Beurle: Notizen zum Dialog mit Muslimen
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